Die Fitness und der Fitness-Lifestyle werden von einigen Leuten als Mode abgetan. Dabei steckt hinter der Fitness-Welle eigentlich keine neue Mode. Vielmehr ist Fitness eine Lösungsstrategie, mit unserer modernen, industrialisierten und urbanisierten Gesellschaft umzugehen. Fitness ist der Wille, dem Bewegungsmangel und der Überernährung etwas entgegen zu setzen.

Bewegung ist Leben – Nicht in der modernen Gesellschaft

Wir Menschen sind von Natur aus bewegungsfreudige Lebewesen. Unser ganzer Körper ist darauf ausgerichtet, dass wir uns regelmäßig und ausreichend bewegen. Gleichzeitig war es immer mit einer enormen körperlichen Anstrengung verbunden gewesen, an gute Nahrungsquellen zu kommen. Die Jäger und Sammler in der Steinzeit und später der Bauer auf dem Feld mussten sich ihre Lebensgrundlage durch anstrengende und harte körperliche Arbeit sichern. Sowieso waren Lebensmittel ein wertvolles Produkt, das auch mal in Hungersnöten knapp werden konnte.

Der Alltag vieler Menschen unserer Gesellschaft wird jedoch seit fast 200 Jahren von der Industrialisierung und deren Folgen bestimmt. Die moderne Technik, von der Elektrizität, dem Verbrennungsmotor bis zum Computer hat unsere Lebensweise stark verändert. In einer Gesellschaft der Arbeitsteilung und der Expertise müssen wir nicht mehr auf dem Feld bei Wind und Wetter unsere Lebensgrundlage erarbeiten, sondern wir sitzen täglich in dunklen, warmen Höhlen in fast vollständiger Erstarrung vor Displays. Das klingt alles erst einmal ziemlich bequem und wird allgemein als Wohlstand bezeichnet.

Zu diesem arbeitstechnischen „Fortschritt“ kommen die Verdienste der Agrarindustrie und -technik sowie die der Lebensmittelchemie hinzu, durch welche die Massenproduktion und das sichere Haltbarmachen von Lebensmitteln überhaupt erst möglich wurde. Inzwischen sind in unserer Gesellschaft Lebensmittel zu solch einem billigen Produkt geworden, dass sie massenweise weggeworfen werden können.

Betrachtet man nun diese zwei Faktoren, Bewegung und Ernährung, in unserer modernen Gesellschaft, sehen wir, dass ein Missverhältnis entstanden ist. Bewegung, die einst unser Überleben sicherte, wird nicht mehr für die Bereitstellung von Nahrung gebraucht. Auf der anderen Seite kann durch Massenproduktion und Auslagerung der Produktion auf ärmere Länder die Bereitstellung einer Unmenge an Lebensmitteln zu billigen Preisen garantiert werden. Letztendlich bewegen wir uns zu wenig, essen aber zu viel.

Wie es um unsere Gesundheit steht

Man kann sich dieses Missverhältnis von Bewegung und Ernährung anhand von Zahlen und Fakten vergegenwärtigen. Aus einer Erhebung des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2013 geht hervor, dass in Deutschland rund 37% der Bevölkerung übergewichtig und rund 16% adipös sind. Mehr als die Hälfte der Deutschen sind damit zu dick.

Übergewicht birgt das Risiko in sich, eine Vielzahl anderer Krankheiten zu entwickeln, vor allem die sogenannten Volkskrankheiten wie Bluthochdruck oder Diabetes II. Kommt gleichzeitig noch ein anhaltender ungesunder Lebensstil mit wenig Bewegung hinzu, ist es nicht mehr weit bis zum Bandscheibenvorfall, dem künstlichen Hüftgelenk oder der Osteoporose. All diesen Krankheiten und körperlichen Beschwerden, die oft als „Alterskrankheiten“ bezeichnet werden, könnte mit einer angepassten Lebensweise vorbeugend begegnet werden.

Fitness als Anpassung der Lebensweise

In unserer heutigen Gesellschaft begegnen wir der Herausforderung, uns im Alltag ausreichend zu bewegen und uns gesund zu ernähren. Die Anpassung der Lebensweise an diese Lebensbedingungen kann man als Fitness bezeichnen. Das Kultivieren von ausreichend Bewegung und gesunder Ernährung bedeutet dabei, seinen eigenen Körper und Geist und das Leben generell zu achten. Fitness ist eine innere Haltung. Sie ist die Subvertierung unserer Wohlstandsgesellschaft mitsamt deren negativen Erscheinungsformen.

Wer fit ist, übt sich in einer Diät (im Sinne von Lebensweise), in der sportliche Betätigung und bewusste Ernährung eine besondere Rolle spielen. Daraus folgt die Erhaltung der körperlichen Gesundheit und der motorischen Fähigkeiten bis ins hohe Alter sowie ein ein entspannter Geist.

Unser heutiges Schönheitsideal und die Vermarktung von Fitness

Bewusst habe ich bisher noch nicht einen anderen Effekt des sportlichen Trainings und der angepassten Ernährung erwähnt: Trainiert, schlank damit schön auszusehen. Denn schöne Menschen sind heutzutage zugleich fit. Das Schönheitsideal des trainierten schlanken Körpers treibt die meisten Leute in die Sportschuhe. Frauen möchten dabei meist Fett verlieren und Männer möchten Muskelmasse zunehmen.

Als schön bezeichnen wir das, was sich aufgrund seiner besonderen Eigenschaften von der Masse abhebt. Es zieht uns an, weil wir darauf unsere eigenen Wünsche, Sehnsüchte und Hoffnungen projizieren. Noch heute gilt beispielsweise in China eine braun gebrannte Haut als unschön. Früher war dies in unserer Gesellschaft genauso, als der größte und ärmere Teil der Bevölkerung, die Bauern, täglich aufs Feld raus mussten und aus diesem Grund eine braun gebrannte Haut hatten. Heute hingegen ist es bei uns genau umgekehrt, da die meisten Leute ihre Zeit in geschlossenen Räumen verbringen müssen. Was als schön gilt, ist damit abhängig von der Gesellschaft und der Zeit, in der man lebt.

Gerade weil die meisten Leute heutzutage mit Bewegungsmangel und Nahrungsüberfluss zu kämpfen haben, wirkt der trainierte schlanke Körper schön und anziehend.

Die Bestrebungen, dem eigenen Alltag etwas durch Sport und Diät entgegenzusetzen, hatte in erster Linie ideologische und gesundheitliche Gründe. Heute wird das damit einhergehende Schönheitsideal benutzt, um  entsprechende Produkte der Fitness-Industrie zu vermarkten. Die Palette reicht dabei von Abnehm-Programmen, Eiweiß-und Diät-Shakes bis zu Sportkleidung. Manche dieser Produkte unterstützen vielleicht das Training, können aber nicht die eigene harte Arbeit und Disziplin ersetzen.

Neben den gesundheitlichen Gründen kann man jedenfalls Fitness auch zur Formung des Körpers betreiben. Der Fitness-Lifestyle dient dann dem sogenannten Bodystyling, in dem man bewusst das Aussehen des Körpers beeinflusst. Diese Art von Fitness ist heutzutage vorherrschend. Die meisten treiben Sport und achten auf ihre Ernährung aufgrund von ästhetischen Gründen. An sich ist es nicht verkehrt, dem allgemeinen Schönheitsideal entsprechen zu wollen. Jedoch sollte dabei die eigene Gesundheit und das Wohlbefinden stets im Vordergrund stehen.

Das perfekte Training: Ausdauer und Kraft

Es gibt demnach zwei Ziele von Fitness: Die Erhaltung der Gesundheit und die Formung des Körpers. Neben der Vollwert-Ernährung kann man diese Ziele durch gezieltes Kraft- und Ausdauertraining verfolgen. Eine Kombination aus beiden Trainingsformen ist am besten.

Ausdauertraining (Kardio)

Jeder Arzt kann bescheinigen, dass Ausdauer-Training, auch Kardio genannt, gut für das Herz-Kreislauf-System ist. Es hilft zudem bei Stress zur Entspannung und steigert unser allgemeines Wohlbefinden.

An der frischen Luft kann man beim Joggen, Wandern, Inlineskaten, Schwimmen oder Radfahren Licht und Luft tanken. Für den Büroalltag ist das Ausdauertraining somit ein guter Ausgleich. Aber auch an Kardio-Geräten in Fitness-Studios wie Rudergerät, Stepper oder Cross-Trainer kommt man ordentlich ins Schwitzen.

Dabei hat das Ausdauertraining auch direkte Auswirkung auf unsere Fettverbrennung. Durch die andauernde Belastung wird der sogenannte aerobe Energiestoffwechsel aktiv, bei dem die Energie aus Sauerstoff und Fett gewonnen wird. So kann Kardio enorm dabei helfen, Fett abzunehmen.

Krafttraining

Krafttraining ist gut für unsere Körperhaltung. Haltungsfehlern, die durch ständiges Sitzen entstehen, kann man durch gezieltes Krafttraining begegnen. Auch hilft eine gewisse Grundkraft, alltägliche Bewegungsabläufe zu vereinfachen. So macht das Treppensteigen oder das Kistentragen keine Probleme mehr.

Durch den Muskelaufbau wird zudem die Fettverbrennung unterstützt. Muskeln brauchen auch bei ruhigeren Tätigkeiten Energie. Durch die Muskeln steigt nämlich der Grundumsatz an Kalorien. Trainierte verbrennen so auch auf dem Sofa vorm Fernseher mehr Kalorien als Untrainierte.

Da im Kraftsport gezielt Muskeln aufgebaut werden, kann man seinen Körper ideal formen. Erst durch Muskelmasse bekommen nämlich wir Frauen eine sportliche Silhouette. Dann ist endlich Schluss mit den Winkearmen oder dem schlaffen Po.

Frauen und Kraftsport – passt das überhaupt zusammen?

Das leitet auch schon zu meinem letzten Punkt über. Viele Frauen scheuen sich nämlich davor, Gewichte zu stemmen. Das hat vor allem damit zu tun, dass der Muskelaufbau leider noch immer eine Männerdomäne ist und nicht mit Frauen in Verbindung gebracht wird. Auch meinen viele Frauen, dicke Arme durch Hanteltraining zu bekommen. Diese Sorgen sind völlig unbegründet. Durch die hormonelle Veranlagung können wir Frauen auf natürliche Weise nie so viel Muskelmasse aufbauen wie Männer.

Und gerade diese Muskelmasse ist es aber, die einen definierten Körper ausmacht. Wer schöne Beine haben möchte, ist auf dem Laufband oder dem Stepper fehl am Platz. Die Formung passiert an Kraftgeräten und vor allem den Freihanteln. Also keine falsche Scheu und ab in die Muckibude, Mädels! 😉

Fazit

Fitness-Lifestyle ist nur am Rande eine hippe Mode. Eigentlich bedeutet Fitness, seinen Körper durch Bewegung und Ernährung gesund zu erhalten. Damit begegnet man den Herausforderung der modernen Gesellschaft, in der Bewegungsmangel und Überernährung vorherrscht. Entsprechend ist das Schönheitsideal auf den Fitness-Lifestyle ausgerichtet. So kann man durch Bodystyling seinen Körper durch Krafttraining aktiv formen. Deshalb ist gerade auch für Frauen das Krafttraining besonders interessant.

Quellen

Studie des Statistischen Bundesamtes zum Gesundheitszustand:
https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Gesundheit/GesundheitszustandRelevantesVerhalten/Tabellen/Koerpermasse.html