Buchinger-Fasten: Was ist Heilfasten nach Buchinger?

Am Aschermittwoch beginnt wieder die Fastenzeit. 40 Tage übt man sich bis Ostern freiwillig im Verzicht: Essen, Fleisch, Süßigkeiten, Plastikmüll, Autofahren. Fasten ist eigentlich ein religiöser Brauch, wird aber auch jenseits der Kirchen immer beliebter. Beim Fasten gibt es viele verschiedene Varianten. Eine ist das Buchinger-Fasten, das ich in diesem Beitrag vorstellen möchte.

Hinweis: Als medizinischer Laie habe ich diesen Beitrag nach bestem Wissen unter Berücksichtigung der unten angegebenen Literatur verfasst. Dieser Artikel kann nicht in Vollständigkeit alle Aspekte des Buchinger-Fastens abbilden. Falls ihr eine selbst durchgeführte Fastenwoche plant, solltet ihr euch voher unbedingt in medizinischer Fachliteratur näher einlesen und ggf. einen Arzt konsultieren. Der Beitrag soll euch nur einen Eindruck über den Ablauf des Fastens vermitteln, er dient nicht als Anleitung oder Aufforderung für eine Fastenwoche. Beachtet diesbezüglich auch den medizinischen Disclaimer.

Was ist Buchinger-Fasten?

Fasten bedeutet streng genommen kompletter Verzicht auf Nahrung für einen bestimmten Zeitraum. Das Buchinger-Fasten stellt eine sanftere Variante des Fastens dar. Entwickelt und benannt wurde es vom deutschen Arzt Otto Buchinger (1878-1966).

Das Buchinger-Fasten ist eine Form des Heilfastens. Es steht demnach keine religiöse, sondern eine heilkundliche Motivation hinter dem Fasten.

Buchinger hat seine Fastenmethode in seinem Werk Das Heilfasten und seine Hilfsmethoden als biologischer Weg bereits im Jahr 1935 einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Heute ist das Buchinger-Fasten vor allem durch die Fasten-Bücher von Hellmut Lützner bekannt, der es auf der Grundlage von Buchinger weiterentwickelt hat.

Warum Heilfasten?

Durch den Verzicht auf Nahrung wird der Körper für eine Zeit von der Verdauungstätigkeit und den mit ihr zusammenhängenden Prozessen entlastet. In dieser Zeit können ungebrauchte Eiweißrückstände, die sogenannten „Schlacken“, abgebaut werden (Stichwort Autophagie). Auch schwemmt der Körper sehr viel Wasser aus und baut Fett ab, um die Energieversorgung aufrecht zu erhalten.

Das Heilfasten hat positive Auswirkungen auf den Blutzuckerspiegel, den Blutdruck, Blutfettgehalt und das Körpergewicht.

Fasten bedeutet aber auch, Gewohnheiten zu durchbrechen und Verzicht zu trainieren. Somit kann es als Beginn einer dauerhaften Nahrungsumstellung durchgeführt werden, um die positiven Effekte auch nach dem Fasten zu erhalten. Das Körpergewicht steigt sehr schnell wieder, wenn man in alte Essgewohnheiten zurückfällt.

Wie funktioniert das Buchinger-Fasten?

Beim Buchinger-Fasten wird nicht komplett auf Nahrung verzichtet. Um wichtige Nährstoffe aufzunehmen, nimmt man mittags und abends selbstgemachte Gemüse- oder Getreidebrühen und verdünnte Säfte zu sich. Die Speisen werden nicht gesalzen.

Auch die regelmäßige Darmentleerung durch Einläufe gehört zur Routine des Buchinger-Fastens. Darüber hinaus sind Leberwickel nach dem Mittagessen, regelmäßige Ruhepausen und Meditationen Bestandteil des Tages.

Zudem sollte man nicht komplett auf Bewegung verzichten, sondern jeden Tag sanfte Gymnastik, Yoga und Spaziergänge machen. Dadurch verhindert man, dass die Muskulatur während des Fastens abgebaut wird.

Zigaretten, Alkohol, Süßigkeiten und Kaffee sind beim Fasten übrigens tabu. So kann der Körper besser entgiften und man entwöhnt sich von Suchtmitteln.

Der Ablauf einer Fastenwoche beim Buchinger-Fasten

Lützner empfiehlt für Fastenunerfahrene nur eine Fastenwoche am Stück durchzuführen. Sie besteht aus einem Entlastungstag, fünf Fastentagen und sechs Aufbautagen.

Wer selbstständig längere Fastenzeiten von mehr als ein oder zwei Wochen plant, sollte Rücksprache mit einem Arzt halten.

Der Entlastungstag

Der Entlastungstag dient als vorbereitender Einstieg in die Fastenwoche. Hier nimmt man nur wenig und leichte Kost zu sich. Es gilt die Devise: Fettarm, proteinarm und leicht verdaulich. Schließlich soll der Darm bereits an diesem Tag entlastet werden.

Man kann einen Rohkost-, Kartoffel- oder Reistag einlegen. Beim Reistag wird von Lützner folgender Speiseplan empfohlen:

  • Morgens 1 Apfel oder 1 Grapefruit
  • Mittags und abends 100g gedünsteter Naturreis ohne Salz
  • Mittags die eine Hälfte Reis mit 2 gedünsteten Tomaten, gewürzt mit Kräutern. Abends die zweite Hälfte als Reis-Obst-Salat mit Apfelmus (ohne Zuckerzusatz)

Die Fastentage

Die Fastentage beginnen morgens mit einer Darmreinigung. Am schonensten ist ein Einlauf. Glaubersalz kann man am ersten Fastentag für die Darmentleerung verwenden. Geschmack und Wirkung sind allerdings nicht ganz ohne (ich habe schon einige Geschichten von anderen gehört). Zudem kann die Einnahme von Glaubersalz die Wirkung der Pille beeinträchtigen.

Beim Fasten nimmt man viel Flüssigkeit zu sich. Dadurch wird die fehlende Flüssigkeit aus der Nahrung ausgeglichen. Gekaut wird nichts, nur getrunken. Die Gemüse- und Getreidebrühen werden gesiebt, da die festen Bestandteile die Verdauung belasten, d.h. anregen würden. Insgesamt kommt man so auf 300-500kcal am Tag.

Der Speiseplan für die Fastentage sieht z.B. wie folgt aus:

  • Morgens 2 Tassen Kräutertee (Kamille, Melisse, Malve, Rosmarin) oder milder Schwarztee mit Zitrone, evtl. ein halber Teelöffel Honig
  • Zwischendurch reichlich Wasser, gelegentlich 1 Zitronenschnitz aussaugen (neutralisiert Harnsäure, die bei der Fettverbrennung entsteht)
  • Mittags 250ml selbstgemachte Gemüsebrühe oder Gemüsesaft, stark mit Wasser verdünnt
  • Nachmittags 2 Tassen Früchtetee (Hagebutte, Fenchel, Apfelschalen) oder milder Schwarztee mit Zitronensaft, evtl. ein halber Teelöffel Honig
  • Abends 250ml Obsaft oder Gemüsesaft mit Wasser verdünnt, alternativ Gemüsebrühe wie mittags

Die Aufbautage

Mit dem ersten Aufbautag wird das Fasten gebrochen, symbolisch mit einem Apfel als Frühstück.

Während der Fastentage isst man ähnlich wie am Entlastungstag kleine Portionen und leicht Verdauliches. Selbstgemachte Suppen, Knäckebrot, Müsli, Obst, Rohkost, Quark und Nüsse stehen hier auf dem Speiseplan.

Tag für Tag werden die Kalorien langsam gesteigert. Die Idee dahinter ist, dass man auch nach den Aufbautagen weiterhin vollwertig isst.

Lützner bietet in seinen Fastenbüchern eine ganze Reihe an Rezepten und Vorschlägen, wie die Aufbautage und eine langfristige Ernährung nach dem Fasten gestaltet werden sollen, um nicht wieder zuzunehmen.

Was passiert beim Buchinger-Fasten mit dem Körper?

Beim Fasten nimmt man kaum Nahrung zu sich. Man lebt in dieser Zeit fast ausschließlich von seinen Fettreserven. Der Stoffwechsel des Körpers stellt sich während der ersten drei bis vier Tage auf diese Energieversorgung um, wenn er merkt, dass keine Nahrung mehr kommt. Es kann also anfangs zu starkem Hunger, Kopfschmerzen, Schwindel und Kreislaufproblemen kommen.

Ab dem vierten, spätestens dem fünften Fastentag ist die Umstellung abgeschlossen. Es stellt sich ein Zustand der Bedürfnislosigkeit und Euphorie ein. Man hat eigentlich keinen Hunger mehr. Viele Leute berichten von kreativer Energie und Tatendrang. Das Fasten erreicht nicht nur den Körper, sondern auch den Geist.

Akut können trotzdem immer wieder Kreislaufprobleme auftreten. Ein halber Teelöffel Honig oder frische Luft helfen hier bereits. Insgesamt sollte man sich in der Fastenwoche nicht zu viel vornehmen und genügend Ruhepausen einplanen.

Fasten und Sport

Während des Fastens isst man nicht so viel, wie für die Energiebereitstellung benötigt wird. Die Energieversorugng wird deshalb mit Fett aus den Körperzellen aufrecht erhalten. Da die Verstoffwechselung mit Fett länger dauert als mit Zucker, kann man Kraft nicht so schnell abrufen. Sowieso braucht man für alles etwas länger.

In der Zeit des Fastens ist der Körper auf niedrig intensive Ausdauerbelastungen eingestellt. Am besten macht man gemütliche Spaziergänge, leichte Gymnastik und Yoga. Von Krafttraining sollte man in dieser Zeit Abstand nehmen.

Auf jeden Fall ist es wichtig, sich auch während des Fastens regelmäßig zu bewegen. Wer nur den ganzen Tag herumliegt, wird nicht nur Fett, sondern auch Muskelmasse verlieren. Bereits leichte sportliche Aktivität unterstützt den Erhalt der Muskulatur.

Spaziergänge an der frischen Luft sind außerdem wichtig, um Stoffwechselendprodukte abzuatmen.

Essen nach dem Fasten

Der erste Apfel ist ein unglaubliches Geschmackserlebnis. Ein einziger Apfel kann nach einer Fastenwoche so zufrieden machen wie nie zuvor.

Während des Fastens wird der Geschmackssinn neu justiert und sensibilisiert. Essen wird dadurch zu einem bewussteren Erlebnis. Auch Gewürze und Geschmacksrichtungen wie süß und salzig werden nach dem Fasten viel intensiver wahrgenommen. Zudem wird man von kleinen Mengen gut satt.

Das Fasten ist als Einstieg für eine gesündere Ernährungs- und Lebensweise gedacht. Wenn man fastet, nur um abzunehmen, danach aber wie vor dem Fasten isst, wird man recht schnell wieder zunehmen. Man sollte das Fasten als einen Neustart ansehen, in dem man alte Gewohnheiten ablegt und hinter sich lässt.

Nach dem Fasten ernährt man sich idealer Weise vollwertig, d.h. so unverarbeitet und frisch wie möglich. Bereits während der Aufbautage gibt es vor allem Vollkorn, Obst und Gemüse, Naturquark und Nüsse zu essen. Der Verzicht auf verarbeitete Produkte, Fast Food und Zucker sollte auch nach dem Fasten beibehalten werden.

Buchinger-Fasten unter Anleitung

Wer gesund ist und Normalgewicht oder leichtes Übergewicht hat, kann selbstständig eine Fastenwoche einlegen. Hierfür sollte man sich am besten mit einem Fastenanleitungsbuch vorbereiten.

Wer gesund ist, aber nicht alleine fasten möchte, der kann auch in einer Gruppe einen Fastenkurs mit einem Fastenleiter belegen. Das geht von zuhause aus oder in einem Fastenhotel.

Es gibt auch private Kliniken, darunter die Buchinger-Klinik, die Fastenkuren unter ärztlicher Aufsicht für erkrankte Personen anbieten. Dort werden Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck, Migräne, Adipositas und Neurodermitis mit Fastenkuren ursächlich und nachhaltig behandelt.

Für wen ist Buchinger-Fasten nicht geeignet?

Alle Menschen mit chronischen Erkrankungen wie z.B. Diabetes, Bluthochdruck, Essstörungen sowie stillende und schwangere Frauen, Kinder und alte Menschen sollen nicht selbstständig fasten. Auch Untergewicht schließt die vorgestellte Form des Fastens aus, da der Körper nicht genügend Fettreserven hat.

Vorsicht und Rücksprache mit einem Arzt ist auch für jedem geboten, der regelmäßig Medikamente, inkl. Pille, einnimmt.

Literatur

Otto Buchinger: Das Heilfasten und seine Hilfsmethoden als biologischer Weg. Stuttgart ⁹1958.

Hellmut Lützner, Helmut Million, Petra Hopfenzitz: Fasten. Der große ärztliche Leitfaden für Gesunde. Bindlach 2002. [Neuere Auflagen bei Gräfe und Unzer (GU) sind nicht so umfangreich wie diese ältere Ausgabe!].

Heinz Fahrner: Fasten als Therapie. Physiologie und Pathophysiologie, Methodik, Indikationen und Verläufe, psychologische Aspekte. Stuttgart ²1991.

Schreibe einen Kommentar

+ 43 = 44