Zuckerfalle: Darum schmeckt abgepackte Getreidemilch süß

Achtung Zuckerfalle: Getreidemilch aus dem Tetrapack ist nicht so gesund, wie sie beworben wird!

Menschen, die sich vegan, laktosefrei oder einfach etwas gesünder ernähren möchten, ersetzen gerne Kuhmilch durch alternative Produkte. Milchalternativen haben längst ihr Schattendasein beendet und sind inzwischen in jedem Supermarkt und Discounter zu finden. Die Palette reicht dabei von Getreidemilch über Nussmilch und Mischgetränke, z.B. mit Kakaopulver oder Agavensüße. Es gibt Bioprodukte mit einer relativ überschaubaren Liste einfacher, natürlicher Zutaten, aber auch konventionelle Produkte mit Zusatzstoffen.

Viele wissen jedoch nicht, dass gerade die Getreidemilchsorten einen erheblichen Nachteil haben: Sie enthalten viel Zucker. Dabei wird der Zucker nicht als Zutat hinzugefügt, sondern entsteht bei der Produktion. Und das gilt auch für die Bio-Getreidemilch.

Mogelpackung Getreidemilch

Vor einigen Jahren wollte ich zweitweise komplett auf Kuhmilch und alle Kuhmilchprodukte verzichten, um mich gesünder zu ernähren. Schnell entdeckte ich als Alternative zur Milch die Getreidemilch im Bioladen. Wie auch viele andere Ernährungsbewusste dachte ich, dass ich mit diesem Kauf etwas Gutes für mich und meine Gesundheit tue. Nur eine handvoll Zutaten und Anmerkungen wie „ohne Zuckerzusatz“, „ungesüßt“, „enthält von Natur aus Zucker“ überzeugten mich. Getreidemilch schmeckte mir, weil sie eben „von Natur aus“ süß ist.

Ich wusste damals allerdings nicht, dass ich in eine riesige Zuckerfalle getreten war. Ab und zu fragte ich mich schon: Warum schmeckt abgepackte Getreidemilch süß? Und das, obwohl angeblich kein Zucker drin ist? Auf der Zutatenliste findet man jedenfalls keinen Zucker.

Fermentation: Der Trick der süßen Getreidemilch

Viele Vegimilch-Fans wird dieser Abschnitt wahrscheinlich desillusionieren und von der Getreidemilch enttäuschen.

Abgepackte Getreidemilch ist kein Naturprodukt und deshalb nicht vollwertig. Bis das Getreide die Form einer Getreidemilch annimmt, ist sie durch viele Produktionsschritte gegangen. Von der Ultrahoch-Erhitzung zum Haltbarmachen ganz zu schweigen.

Bei der Produktion der Getreidemilch werden Enzyme hinzugegeben, die die Stärke des Getreides aufspalten. Die Enzyme verdauen gewissermaßen die Stärke. Vergleichbar mit der menschlichen Verdauung entsteht bei diesem „Stoffwechselprozess“ Zucker, der in der Getreidemilch bleibt. So kann die Getreidemilch süß schmecken, obwohl kein Zucker hinzugegeben wird. Diese Herstellungsweise muss nicht auf der Verpackung angegeben werden.

Da nur die Stärke des Getreides aufgespalten werden kann, muss bei Nussmilch Zucker hinzugefügt werden, damit sie süß schmeckt. Auch bei Soja funktioniert die Fermentation nicht, da diese eine Hülsenfrucht mit wenig Stärke ist.

Abgepackte Getreidemilch ist ein Süßgetränk

Von nichts kommt natürlich nichts. Wenn Getreidemilch süß schmeckt, enthält sie Zucker. Den Zucker findet man in der Zutatenliste zwar nicht, aber ein Blick auf die Nährwerttabelle schafft schnell Klarheit. Hier eine Liste des Kohlenhydrat- und Zuckergehalts je 100ml verschiedener Getreidmilchsorten eines bekannten Biosupermarkts mit eigener Hausmarke:

  • Dinkelmilch: 6,2g Kohlenhydrate, davon 5,7g Zucker
  • Reismilch: 9,9g Kohlenhydrate, davon 7,1g Zucker
  • Hafermilch: 6g Kohlenhydrate, davon 5,2g Zucker

Die Reismilch hat folgende Zutaten: Reis, Sonnenblumenöl und Salz. Dafür erscheint der Zuckergehalt relativ hoch (ca. 70% der Kohlenhydrate sind Zucker). Zum Vergleich: 100g Vollkorn-Naturreis derselben Marke enthält 73g Kohlenhydrate, davon 1,2g Zucker. Der Zuckeranteil der Kohlenhydrate fällt beim Naturprodukt eher gering aus (ca. 2%). Bei der Produktion der Reismilch wird also ein erheblicher Anteil der Kohlenhydrate in puren Zucker umgewandelt.

Übrigens: Milch verschiedener Fettstufen enthält weniger als 5g Zucker auf 100g. Milch enthält von Natur aus Zucker, nämlich die als Milchzucker bekannte Laktose.

Tipps zur Zuckervermeidung bei Kuhmilch-Alternativen

Hart aber wahr: Die Getreidemilchsorten enthalten teilweise so viel Zucker wie Limonadengetränke. Wer Zucker vermeiden oder zumindest reduzieren möchte, sollte nach Alternativen zur Getreidemilch suchen.

Wie oben bereits erwähnt funktioniert die Fermentation bei Nüssen und Hülsenfrüchten nicht. Nussmilchsorten wie Kokos, Mandel oder Haselnuss sind zuckerarm, genauso Sojamilch. Man sollte allerdings darauf achten, jeweils die ungesüßten Varianten zu nehmen.

Am gesündesten ist es, die Milchalternativen selbst herzustellen. Getreidesorten enthalten von Natur aus relativ wenig Zucker. Die Kohlenhydrate gelangen bei selbst hergestellter Getreidemilch langsamer ins Blut, weil sie nicht bereits durch Enzyme aufgespalten wurden. Das erledigen unsere eigenen Verdauungsenzyme. Man kann eigentlich aus allen Getreidesorten eine Getreidemilch herstellen. Weizen, Dinkel, Hafer, Buchweizen, Amaranth, Kamut, undundund. Auch selbst gemachte Nussmilch ist die schmackhaftere und gesündere Alternative zum Tetrapack.

Fazit

Wer von der Kuhmilch nicht auf zuckerhaltige Getränke ausweichen mag, sollte bei Milchalternativen genau hinschauen.

Abgepackte Nussmilch und Sojamilch enthalten i.d.R. kaum Zucker. Aber auch hier sollte man zur Sicherheit immer die Zutatenliste checken, ob der Hersteller nicht doch Zucker hinzusetzt, z.B. Rohrzucker, Agavendicksaft oder Kokosblütenzucker.

Wer auf Getreidemilch nicht verzichten möchte, muss sie sich selbst herstellen. Hier findet ihr mein Rezept für Getreidemilch.

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