Bist Du ein Ausdauer- oder ein Kraftmensch? Von der Rolle der Genetik und Muskelfasertypen für Deinen Trainingsfortschritt

Neulich habe ich mich mit einer Bekannten darüber unterhalten, dass mir Krafttraining deutlich leichter fällt als Ausdauertraining. Wenn ich Gewichte hebe, komme ich kaum ins Schwitzen und mache schnell Fortschritte. Jogging hingegen kostet mich viel mehr Überwindung, ich sehe dabei aus wie eine Tomate und schwitze mir fast die Seele aus dem Leib.

Bei ihr ist es genau umgekehrt: Sie liebt das Ausdauertraining und zu Krafttraining kann sie sich nur schwer überwinden.

Es ist schon seltsam, wie unterschiedlich man auf dieselbe Art von Sport reagiert. Selbstverständlich hat es mit regelmäßigem Training zu tun; wenn man in Übung ist, fällt einem jeweils Kraft- oder Ausdauertraining leichter.

Eine Frage der Genetik: Muskelfasertypen

Dennoch hat es wohl auch viel mit Veranlagung zu tun. Manche sind wahre Ausdauermeister, andere bauen leicht Masse auf. Dies liegt vor allem an der angeborenen Muskelfaserverteilung in der Muskulatur.

Man unterscheidet zwischen zwei verschiedenen Typen von Muskelfasern: Slow-Twitch(ST)-Faser und Fast-Twitch(FT)-Faser. Die ST-Faser wird auch als langsame oder rote Faser bezeichnet, die FT-Faser als schnelle bzw. weiße Faser.

Die Muskulatur setzt sich aus diesen zwei Typen von Muskelfasern zusammen, was durch die Genetik festgelegt ist. Das Verhältnis der Muskelfasern zueinander lässt sich durch Training nicht ändern, wohl aber der jeweils prozentuale Flächenanteil.

Die Eigenschaften von Slow-Twitch-Fasern und Fast-Twitch-Fasern

Die beiden Muskelfasertypen haben unterschiedliche Eigenschaften, wie aus folgender Tabelle hervorgeht:

Muskelfasertypen

Slow-Twitch-FaserFast-Twitch-Faser
DünnerDicker
Geringere KontraktionsgeschwindigkeitSchnellere Kontraktionsgeschwindigkeit
ErmüdungsresistenterSchneller ermüdbar
Positiv für AusdauerPositiv für Kraft und Schnelligkeit

Für eine langandauernde Ausdauerbelastung sind die ST-Fasern von großer Bedeutung. Menschen mit einem höheren Anteil der ST-Fasern können ihre Ausdauer leichter trainieren.

Für den Aufbau von Masse und die Kraftentwicklung sind die FT-Fasern verantwortlich. Je mehr FT-Fasern man aufgrund seiner Veranlagung bereits besitzt, desto besser kann man deren Fläche in der Muskulatur vergrößern und damit Erfolge im Muskelaufbau erzielen.

Ausdauer- und Kraftmenschen

Die Veranlagung spielt demnach eine entscheidende Rolle, ob wir durch Training schnell Erfolg haben können. Aus mir würde nur unter großer Anstrengung eine Ausdauersportlerin werden. Masse hingegen baue ich fast spielend auf. Das ist für mich dennoch keine Ausrede, nicht mehr joggen zu gehen. 😉

Natürlich darf man nicht alles auf die Genetik schieben, wenn man durch Training nicht die Ergebnisse gewinnt, die man sich wünscht. Dennoch kann man zumindest eine Erklärung dafür finden, warum man sich entweder hinsichtlich Ausdauer oder Kraft mehr disziplinieren muss als andere.

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